Various Artists

Planisphere

Numero Group • 2019

»Planisphere« ist voller schmachtender, überzogener Lo-Fi-Songs und im Grunde klingt jeder Song darauf so, als hätte ihn ein gefühlstaumeliger französischer Zahnarzt nach Feierabend eingesungen – in den 1980er Jahren, versteht sich, vielleicht irgendwo in der Abgeschiedenhit der Provence oder einer Pariser Untergeschosswohnung. Dieses Bild stimmt natürlich nicht, oder zumindest ein paar maßgebliche Details davon nicht: Ob irgendeiner der neun versammelten Künstler Zahnarzt war, ist beispielsweise nicht überliefert, auch wenn nur einer von ihnen – Dereck Higgins – es überhaupt in der Musik zu etwas gebracht hat. Natürlich aber kommt diese Musik aus den Achtzigern. Genauer gesagt wurde sie in den Jahren 1979 bis 1985 auf Tapes oder Privatpressungen veröffentlicht, die mittlerweile bei Discogs horrende Summen kosten oder dort überhaupt nicht gelistet sind. Es ist Musik, die weder aus der Nähe von Saint Tropez noch dem 18. Arrondissement kommt, sondern aus den Hobbykellern von US-Amerikanern, die die Träume der Hippie-Generation noch nicht vollends aufgegeben hatten. Zwischen verkifften Spoken Words (Jack Adkins), überdrehter Dramatik (Rick Cuevas, Jim van Buskirk) und psychedelischen Momenten (Dereck Higgins, Roc Mangini, Alan Purvey) bildet »Planisphere« damit nicht unbedingt eine Szene ab oder fängt gar den Spirit eines (halben Jahrzehnts) ein. Die Bilder stellen sich trotzdem ein zu diesen manchmal etwas sehr schrägen, kosmisch angehauchten Pop-Perlen. Obwohl bei fast jeder der Gedanke zurückbleibt, dass sich die Welt wohl auch ohne ein sorgfältiges Reissue weitergedreht hätte.

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V.A.
Planisphere
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