Umeko Ando

Ihunke

Pingipung • 2018

»Ist das japanisch?« – »Klingt eigentlich eher chinesisch.« So richtig weiß man bei Umeko Andos Musik erst einmal nicht, wo das herkommt, diese Klänge, diese Sprache. Dann stellt sich heraus: Sie ist Japanerin (gewesen), und zwar aus Hokkaido. Und weil sie zur Kultur der Ainu, den Ureinwohnern des Landes, gehörte, mit einer eigenen Sprache, die sehr wenig ans Japanische erinnert, passt das mit dem scheinbar ortlosen Hören bei ihr ganz gut. Umeko Ando lebte von 1932 bis 2004, »Ihunke« aus dem Jahr 2000 war ihr erstes Album und bisher nur in Japan erschienen. Produziert hat es der Dub-Musiker Oki Kano, was dem Folk-Idiom Andos bestens steht: Mit einer Tonkori, einer fünfsaitigen Harfe, erzeugt Kano repetitive Patterns, um Andos leicht kehliger, fast fragiler Stimme eine reduziert-stabile Grundlage zu schaffen. Auch was sie singt, braucht wenig melodische Abwechslung, um zu berühren. Da ist viel Zartes in ihrem repetitiven Gesang, gefasst, vielleicht etwas melancholisch, aber nie trübsinnig. Manche Stücke entwickeln richtige Call-and-response-Muster, Maultrommeln kommen vereinzelt dazu, an anderer Stelle sogar dezente »richtige« Trommeln, das war es dann aber schon. Spartanisch, stoisch, gut. Zur begrenzten Bekanntheit Umeko Andos mag die Diskriminierung der Ainu in Japan einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet haben. Pingipung haben, nach einer ersten Single im vergangenen Jahr, jetzt sehr viel dafür getan, dass sich das postum zumindest bei Ando endlich ändert.

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