Thundercat

Drunk

Brainfeeder • 2017

Was dank Titel und Artwork zunächst nach Selbstgeißelung zu schreien droht, erweist sich bereits früh als irgendwie offensichtlichen, wohl aber gerade deshalb clever gewählten Unterton für Thundercat’s drittes Studioalbum. Zur Seite mit den Kräutern und der Chemie: Wann wurde dem Alkohol, der Droge aller Drogen, zumindest stilistisch gesehen das letzte Mal so authentisch gefrönt? Wann hat der Genuss von Destillaten zum letzten Mal kreativ so viel hergegeben, um damit ein 23-Song schweres Projekt anzutreiben? Ganz so, wie der körperliche Zustand es artikulieren würde, arbeitet »Drunk« trügerisch euphorisiert auf die immer paradoxer werdende Bewusstseinsverschiebung zu. Auf textlicher Ebene lebt sich Thundercat dabei zumeist gesellig, humorvoll und stellenweise zynisch aus, deutet gleichermaßen immer aber auch an, wie schnell und unvorhergesehen die eigentliche Heiterkeit kippen könnte. »It’s okay to disconnect sometimes«, gesteht er sich daher zu Beginn ein. So häufig, wie bei einem Gelage die Stimmungen wechseln, changiert Bruner ebenso abrupt zwischen den musikalischen Stilen. Mal erforscht er sein Instrument in progressivem Fusion-Jazz, badet oder eben schwimmt im Neo-Soul-Begriff der Soulquarians, kniet in tiefer Ehrfurcht vor seinen Yacht-Rock-Helden Michael McDonald und Kenny Loggins oder miaut sich, ja miaut, durch den Chorus. Der offensive Cartoon-Humor, auf Furzkissen sitzend über den Tod von Austin Peralta zu sinnieren, hält die ewig zwischen Lang- und Kurzatmigkeit pendelnde Reise zusammen. Gefühlsbetrunken ist »Drunk« vor allem voller Witz, tragisch und manchmal politisch. Ganz so, wie es wohl wäre, mit Bruner eine Nacht an der Theke zu verbringen.

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Thundercat
Drunk
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