Review

The Gaslight Anthem

American Slang

Side One Dummy • 2010

Langsam begann man sich zu gruseln: Die Lobeshymnen im NME und Rolling Stone, das KERRANG!–Cover, »the best new band you’ll hear in 2008«, alles und jeder einigte sich auf das zweite Album einer Band, die so wenig neu und so viel perfekt gemacht hat. »The 59 Sound« war ein Zeichensturm zwischen The Clash und E-Street Band, ehrlich gemeinter Hardcorementalität und Soul-Harmonien. Mehr wollte auch keiner verlangen. Dann kamen Letterman und Co., und selbst der Boss (Springsteen, nicht Azad) kam so oft auf die Bühne spaziert, dass Brian Fallon und seine Jungs schließlich öffentlich die Handbremse zogen, um für das neue Album gefährliche Dinge wie »Selbstverortung« und »eigenen Weg finden« zu skandieren. Die Veränderungen blieben minimal. Ein geringer Anteil Anrotzpunk ging zugunsten durchdachterer Arrangements flöten und ein, zwei U2-ismen haben sich auch verlaufen, dafür traut sich Fallon mehr Stimmlagen zu und presst das »Baby« in »The Spirit of Jazz« endlich genau wie Tom Petty. Aller bangen Erwartungshaltung und der Tatsache, dass der Vorgänger einem doch vielleicht in zehn Jahren mehr bedeuten wird, zum Trotz: »American Slang« ist eines der wichtigsten und besten Gitarrenalben in 2010.

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Gaslight Anthem, The
American Slang Black Vinyl Edition
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