Sufjan Stevens

The Ascention

Asthmatic Kitty • 2020

Die Gegenwart ist eine Hoch-Zeit der Populisten. Für all die Brandherde, die gelöscht werden wollen, versprechen sie zwar keine echten Lösungen, haben aber stets eine Formel parat, die sich danach anhört. Einer der obszönsten dieser Politikertypen könnte im November als Präsident der USA wiedergewählt werden. Doch selbst wenn Donald Trump scheitern sollte, wird er eine stark veränderte Welt hinterlassen, die sich eine ganze Weile von dem angerichteten Flurschaden erholen muss. Dass Sufjan Stevens sein nächstes großes Album nach dem wunderbar innigen Erinnerungs-Durcharbeitungs-Folk von »Carrie & Lowell« aus dem Jahr 2015 jetzt mit Refrains bestreitet, die vor Klischees und Phrasen nur so strotzen, ist da als mimetisches Mittel durchaus konsequent. Schon der erste Song »Make Me an Offer I Cannot Refuse« macht sich eine beliebte Wendung aus Francis Ford Coppolas Klassiker »Der Pate« zu eigen, wenig später bekundet Stevens, mutmaßlich in Richtung von Lana del Rey: »I don’t wanna play your video games«. Die Musik verzichtet großenteils auf Gitarren, dafür sirren, pluckern und tuckern Synthesizer und Drumcomputer regelmäßig vor sich hin. An vielen Stellen hat der Rückgriff auf Elektrizität allerdings so gar nichts Spannungsgeladenes an sich, die Maschinen scheinen eher, wie Sufjan Stevens selbst, unter Erschöpfungssyndrom zu leiden. Kein Wunder bei dem Zustand der USA. Den mahnt er im letzten Song denn auch in zwölf außerirdischen Minuten an. Und steuert direkt davor mit dem Titelsong eine seiner schönsten und fragilsten Kompositionen überhaupt bei. Das Album scheint programmatisch benannt: Es ist ein achtzigminütiger, mitunter zäher Aufstieg. Oben angekommen, ist die Welt wieder gut. Fast.

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Sufjan Stevens
The Ascention
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