Review

Steve Hauschildt

Sequitur

Kranky • 2012

Die Beschäftigung mit Synthesizern war stets von einem gewissen experimentellen, akademischen Duktus geprägt, tragen sie doch ihre Physikalität wie kaum ein anderes Instrument durch ihre Bedienoberfläche zur Schau. Vielleicht liegt hierin begründet, dass sich intelligente elektronische Musik bis heute immer auch als Studie, als Klangforschung begreift, ganz so als wäre die Faszination und der Neuheitswert von Stockhausens Elektronischen Studien aus den 50er Jahren noch nicht überwunden. Steve Hauschildt, seines Zeichens ein Drittel der Emeralds, zeigt mit seiner zweiten Platte innerhalb von zwei Jahren auf Kranky Records, dass der Schulterschluss zwischen dem Pioniergeist der Soundstudien und der Konzeptualität von Popmusik ein Schlüsselmoment für das Gelingen eines dramaturgisch anspruchsvollen Formats wie es das Albums ist, ist. Auf »Sequitur« gelingt das immer wieder, aber nicht in aller Konsequenz. So mischen sich in die zu Ende gedachten Arrangements wie »Accelerated Yearning« und »Steep Decline« immer auch wieder Tracks wie »Vegas Mode«, deren Repititivität sich dramaturgisch nicht erschließt und den Eindruck festigt, dass es sich bei »Sequitur« um ein Übergangswerk handelt – eines, mit dem Steve Hauschildt zwar sowohl sein Können als Arrangeur, Soundforscher und Komponist unter Beweis stellt und mit den zwischen männlichen und weiblichen Pitches mäandernden Vocals auch ein in Ansätzen interessantes Konzept vorlegt, aber noch keines parat hat, dass den Studiencharakter seines Albums zu überwinden im Stande ist.