Review

Mndsgn

Breatharin

Fresh Selects • 2013

Den Einstand im Hause Fresh Selects gibt die Wiederveröffentlichung des 2012er Mixtapes »Breatharian« aus der Feder von Mndsgn. Ein paar Monate nach der Erstpublikation wurde er im »Boiler Room Los Angeles« international bekömmlich gegart, und debütiert nun zwei Jahre danach über seine Landesgrenzen hinweg. Das Original mit einem Mix und Bonustracks aufgemotzt, gibt es nun in 31 Cuts, die von spirituellen Samplejagd-Anekdoten aus dem Untergrund-Dasein dieses Westcoast-Underdogs berichten. Alles schön dreckig und unverblümt wie die Kisten und Kellergewölbe, aus denen Mndsgn die Originale zu Tage gefördert haben wird. Laut Titelbekenntnis reicht ihm für seine Arbeit die Lichtnahrung, auch wenn ich davon überzeugt bin, dass er ebenfalls jede Menge Energie- wie Inspirationsquellen über die Atemwege aufnimmt. Anders kann ich mir das »What You Won’t Do«-Edit am Ende nicht erklären. Da hat man sich selber ganz schön ausgebremst. Dafür lassen aber die meisten anderen Cuts den etwas fragwürdigen Schlusspunkt des Albums im Windschatten stehen. Da wäre zum Beispiel »Kikhabits«. Ein mit heutigen Produktionstechniken vertrauter Lalo Schifrin hätte das für einen »Dirty Harry on speed«-Reboot wohl ähnlich umgesetzt. Rhythmisch wird synkopiert und akzentverschoben, was die eigene Toleranzgrenze zulässt, und harmonisch verpassen Streicher und ausgedehnte Rhodessolos der Produktion die cinematografische Lässigkeit der Turnschuhgeneration vergangener Tage. »Arrows« sucht und findet die Vielfalt dann in technischem Knowhow, indem man die Keys über den Beat gated und unendlich filtert und abstrahiert. Das Ergebnis erinnert an einen doubletimenden Iamnobodi bis im Outro wieder auf normalsterbliche Taktung gedrosselt wird. »Bweyy« zeichnet sich durch den wogenden 1990er Westcoast Sound aus, mit einem lasziven wortlosen Frauengesang, dass man darin untergehen will. Und damit hab ich gerade mal meine Favoriten durch. Zugegebenermaßen lassen mich einige Tracks über das wahrhafte Können von Bingo Spamchedda unbehelligt. Und auch sind mir einige zu schemenhaft skizziert, und entführen mich bei weitem nicht so weit in den Äther, wie meine Aufmerksamkeitsspanne es zulassen würde. Abgesehen davon aber, dass meine Vorliebe für die virtuosen Abwege der 1970er Jahre mit dem Format des Mixtapes einfach nicht kompatibel ist, ist meine Begeisterungsfähigkeit dies umso mehr.