Mdou Moctar

Afrique Victime

Matador • 2021

Keine Bange: Auch wenn der nigrische Gitarrist Mdou Moctar mitteilen lässt, sich für »Afrique Victime« von dem im Oktober verstorbenen Eddie van Halen inspirieren haben zu lassen, ist er nicht plötzlich zum Stadion-Rocker mutiert. Wie schon auf »Ilana: The Creator«, vor rund zwei Jahren auf Sahel Sounds erschienen, ist hier jene von Moctar und Geistesverwandten wie Tinariwen, Bombino oder Imarhan gepflegte, mittlerweile schon klassisch zu nennende Fusion von westlicher Rockmusik und Touareg-Tradition zu hören, der Moctar gleichwohl ein eigenes Gepräge gibt. Von den Autotune-Experimenten des Frühwerks hat er sich allerdings weitgehend verabschiedet. Dafür gibt es atmosphärische Field Recordings, delikat verschnittene akustische und elektrische Gitarren und kämpferische Lyrics – der Titel des Albums ist in dieser Hinsicht eine deutliche Ansage. Anlässlich der Veröffentlichung des gleichnamigen Songs teilte Moctar mit: »Die Franzosen verbrauchen unser Uran, aber 90 Prozent der Menschen hier haben keinen Strom. Stell euch das vor.« Hier, das ist Moctars Heimat Niger, eines der ärmsten Länder der Welt. Rund sieben Minuten dauert der Song, der zugleich das Herzstück dieses Albums ist. »Afrika ist das Opfer so vieler Verbrechen«, singt Moctar darin. »Wenn wir schweigen, wird es unser Ende sein.« Die Dringlichkeit dieser Botschaft lässt den Song ungefähr in seiner Mitte förmlich explodieren – eine Intensität, die geradezu unerhört ist im Genre. Ein eindrückliches, musikalisch mitreißendes Statement, nicht nur dieser Song.

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