Luc Ferrari

Heterozygote/Petite Symphonie

Recollection GRM • 2017

Anekdotische Musik: Das mit dem Erzählen in der Musik ist ja so eine Sache. Was man wirklich im Sinne einer sprachlichen Mitteilung in Tönen artikulieren kann, muss kontrovers bleiben. Wenn man aber auf dem Gebiet der musique concrète arbeitet, bietet das den Vorteil, dass man Umweltaufnahmen verwenden kann, die zum Beispiel Gesprächsfetzen enthalten. Problem gelöst. So machte das zumindest Luc Ferrari in seinem Stück »Hétérozygote«, entstanden zwischen 1963 und 1964. Was sein Musique concrète-Mitstreiter Pierre Schaeffer allerdings als Arbeitsweise eindeutig ablehnte. Später trennte man sich uneinvernehmlich. Macht nichts, die höchst offene »Geschichte« Ferraris kann auch heute noch als ökoakustische Tonkunst überzeugen. Mit Redebeiträgen auf Französisch und Deutsch, Rumpeln, Rauschen und elektronisch verfremdeten Tönen, die dann ins akusmatische Register fallen. Ihre Gültigkeit behaupten kann ebenfalls die »Petite symphonie intuitive pour un paisage de printemps« (1973-74), ein elektroakustisches Stück, in dem Luc Ferrari Aufnahmen von Gesprächen mit Schäfern aus dem Zentralmassiv mit Flötenklängen und deren Echos kombiniert hat. Inspiriert von Einwohnern der Region, erzählt Ferrari hier – anekdotisch – vom Leben im Gebirge, wenn man so möchte. Kontemplativ, aber ohne Esoterikkitschgefahr.

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Luc Ferrari
Heterozygote / Petite Symphonie
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