Li Garattoni

Find Out What I’m Dreaming

Private • 2017

Die besten Geschichten schreibt Musik meistens dann, wenn sie sich viel zu spät in die Fußnoten mogelt. Über Jutta Li Garattoni etwa ist wenig herauszufinden und die wenigen Informationen zu ihrem ersten und einzigen Album scheinen in einem gigantischen Zirkelschluss zu enden. »Find Out What I’m Dreaming« erschien 1982 beim kurzlebigen Software, einem Sublabel des nur bedingt langlebigeren Gama, dessen Betreiber wiederum Jean-Pierre beziehungsweise Peter Garattoni war. Garattoni wiederum war seines Zeichens Drummer der Prog-Rock-Band Eulenspygel, bis zu ihrem Tod Anfang des Jahrtausends Jutta Lis Ehemann und in der Folgezeit Produzent von esoterischer New Age-Musik mit ergotherapeutischem Ansatz, welche die Gattin als Managerin des ebenfalls kurzlebigen Labels Edition Incontro herausgab. So weit, so wenig. Was bleibt ist eine Platte, die in ihren Credits eine Reihe verblichener Namen aus der deutschen Jazz-Szene der achtziger Jahre zusammenbringt und einen skurrilen Wohlfühl-Mix aus Kate Bush-Referenzen (»Find Out What I’m Dreaming«, »Rain Rain«), spacigen Schmachtballaden (»Dornröschen« und dessen Coda »Here Is Silence«), käsigem Fusion Jazz (»Lonely«, »Child Of Venus/Orbital Star«) und Ausflügen in unschuldigen Synth-Pop (»Friends«) auf zwei LP-Seiten vereint. Selbst für die im besten wie im schlechtesten Sinne experimentierfreudigen achtziger Jahre eine krude Mischung und vielleicht nimmt es sich da keine Wunder aus, dass es für Li Garattoni bei diesem einen Album geblieben ist. Selbst ohne verklärende Rücksicht auf ihren elektronisch verkleisterten New Age-Pop aber wohnt »Find Out What I’m Dreaming« eine kuriose Atmosphäre inne, die vor allem von Garattonis gehauchtenVocals getragen wird. Das entrücktes kleines Kuriosum aus dem Anbruch eines neuen Zeitalters besetzt genau den halbwachen Zustand, in dem das Hirn Roulette zu spielen beginnt und die Assoziationen losperlen. Flauschig, aber dezent unheimlich und zwar verkitscht, aber dennoch auf seine Art unheimlich stark. »Find Out What I’m Dreaming« mag keine geschichtsträchtige Platte sein, immerhin aber eine eigenwillige. Sie hat eine eigene Fußnote in der Musikgeschichte mehr als verdient.

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