Lakker

Época

R&S • 2019

Sieht man einmal von der 2017 ohne Label und nur digital veröffentlichten B-Seiten-Sammlung »Die Vergangenheit, die Gegenwart, die Zukunft« ab, ist »Época« das erste Album von [Lakker](http://staging.hhv-mag.com/de/glossareintrag/3261/lakkerseit) dem tonnenschweren »Tundra« von 2015. Damals kreuzte das Duo aus Dublin Industrial Techno mit IDM und Ambient auf beispiellos rhythmische Weise, die einer Mischung zwischen Andy Stott und Ben Frost gleichkam – nur dunkler. Viel von dieser Rezeptur ist auch in das neue Album geflossen, auf dem zum ersten Mal die Stimmen von Ian McDonnell (besser bekannt als Eomac) und Dara Smith zu hören sind. Zwar geht diese Neuerung nur in zwei Tracks über die geisterhaften Hintergrundgesänge hinaus, die man von den beiden ohnehin kennt. Trotzdem kann man sich fragen, ob derartige Musik ohne Vocals nicht grundsätzlich authentischer klingt und gerade dann überwältigt, wenn ihre Wucht mal wieder mit üppigen Effekten und Samples aus unterschiedlichsten, kaum definierbaren Quellen verziert ist. »Violine, Gitarre und Bodhrán, aber auch Stimmstock und Saiten eines Pianos im schwedischen Tonstudio Elektronmusikstudion (EMS), Handy-Aufnahmen von Familientreffen in Dublin und 70er-Proto-Dance aus dem nordindischen Jaipur« wurden unter anderem verwendet. Die Vielfalt der Samples erschöpft sich jedoch nicht einfach nur in unkonventionellen Kombinationen von Klangfarben. Immer erfüllen sie auch einen anderen Zweck, akzentuieren mystisch instrumentierte Flächen (»Shoulder To The Bat«) oder intensivieren Rhythmen (»100 Bar«); erzeugen schrille Hektik (»A Juggling Of Numbers«) ebenso wie schleichende Unruhe (»Body From The Water«). Leicht ist es daher vielleicht nicht, die sinistren Atmosphären von »Época« an sich heranzulassen – und tanzbar klingt hier so gut wie nichts. Doch gerade dieses eigenwillige Sounddesign weist Lakker bereits jetzt als Vertreter eines progressiven, elektroakustischen Technos aus.

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