Kairon; IRSE!

Polysomn

Svart • 2020

Versuchen finnische Bands die Renovierung etablierter oder längst ausgelutschter Genres, gelingt das meistens mit einem seltenen Maß an Originalität. Ob Oranssi Pazuzu im Black Metal, 3TM im zeitgenössischen Jazz oder Pan Sonic im elektronischen Experimentalspektrum – aus dem Land der tausend Seen tauchen immer wieder echte Konventionsbrecher auf. Als Kairon; IRSE! im Sommer 2014 mit »Ujubasajuba« eine kleine Shoegaze-Sensation veröffentlichten und erfolgreich den Nimbus redundanter Referenzgrößen à la My Bloody Valentine brachen, ging das zunächst an den allermeisten vorbei. Mundpropaganda kündete von der Qualität des Kairon-Sounds und spätestens als 2017 das eher crimson-progressive »Ruination« auf Svart erschien, haben die vier Typen, die u.a. bei Domovoyd, Oranssi Pazuzu oder dem Waste Of Space Orchestra spielen, den Geheimtippstatus weit hinter sich gelassen. Zum Glück aber ohne ihren kreativen Fokus oder den Mut zum Experiment zu verlieren, versteht sich. Das ließe sich auch als Disclaimer zu »Polysomn« behaupten, auf dem quasi die musikalische Schnittmenge der Vorgänger zu einem kohärenten Gebilde moduliert wird, Oberkante Unterlippe gesättigt mit Effekten, Echos und eklektischen Eskapaden zwischen Heavy Psych, Noise Pop, Prog-Rock sowie natürlich dem ätherisch bratzenden Shoegaze-Geschmäckle, das einer gewissen Stimmung für maximalen Genuss bedarf. Wie die aussieht, kann freilich variieren. Laut aufgedreht, können Stücke wie der einleitende Trip von »Psionic State«, die deliranten Delay-Schönheiten »Mir Inoi« und »Polysomn« oder das wild umhereskalierende »Hypnogram« allerdings ausnahmslos immer ihre volle Wirkung entfalten.

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