Review

Joey Bada$$

B4.Da.$$

Cinematic Music • 0001

»Don’t believe the hype«. – Tja, das sagt sich so leicht, wenn man wie Joey Bada$$ ein 19-Jähriges Wunderkind ist, das mit ein paar Freedownloads das Game auf halb acht krempelt, Merchandise an die Tochter des US-Präsidenten verkauft und mit Statik Selektah, DJ Premier, J Dilla, The Roots und Hit-Boy mal eben Rucksackträgers Delight auf seinem Debüt vereint. Joey Bada$$’ »B4.Da.$$« Studio-Erstling ist eine der meisterwarteten LPs 2015 und die unüberhörbare Frage ist: Wird es dem Hype gerecht? Zum Teufel nochmal: Ja! Doch »B4.Da.$$« ist kein Instant-Klassiker, sondern zunächst einmal der logische Schritt Joey Bada$$’ vom Blog-Hype zum »echten« Künstler. Zwischen der karibischen Schnoddrigkeit von »Da Shinin«, dem Kellergeschepper von »Enta Da Stage« und der juvenilen Arroganz eines Big L fügt OG Swank dem Pro Era-typischen No-Bullshit-Rap eine ungewohnt intime, gar psychedelische Mische hinzu: »There’s a reason why I’ve come, new season’s just begun/This the death of a psychopomp but a birth of God’s son«. Mehr Spike Lee als Hype Williams, mehr Persönlichkeit statt Reißbrett-Rutsche – auch wenn die 90s-To-Do-Liste akribisch abgearbeitet wurde: »Save The Children« teacht Five-Percenter-Ansagen wie Brand Nubian, »Big Dusty« importiert den 94er QB nach 2015-BK und die obligatorische »We Made It«-Hymne »On & On« lässt die Hände zum Zoo-York-Himmel werfen, als ob Yvette Michelle den Refrain intoniert. »B4.Da.$$« beweist, dass Kategorisierungen wie »New School vs.Old School« oder »Underground vs.Mainstream« spätestens ab 2015 nur noch Fantasieprodukte sind. Wenn »good kid, m.a.a.d. city« das »Illmatic« unserer Zeit ist, dann hat Joey Bada$$das »Enter the Wu-Tang«-Pedant abgeliefert und dürfte damit endgültig zum A-Ligisten aufsteigen.

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