Jenny Hval

The Long Sleep EP

Sacred Bones • 2018

Man könnte fast meinen, dass Jenny Hval eh alles gülden glänzen lässt, was sie anpackt. Das norwegische Postergirl des Avantgarde-Pop ist spätestens seit ihrer LP »Blood Bitch« so etwas wie die Lady Gaga des Distinktionsgewinns geworden. Die norwegische Allround-Künstlerin (Performance, Literatur, Musik) hat sich derweil genau wie ihre US-amerikanische Schwester im Geiste weiterentwickelt. Während man ehedem häufig das Gefühl hatte (und Kollege Philipp Kunze hat das ja auch schon angemerkt), dass »Gedichte auf stimmungsvolle Instrumentals gesprochen wurden« hat man heutzutage handfeste, wenn auch schwurbelige, Popsongs. Die »The Long Sleep EP« auf Sacred Bones entfernt sich zwar wieder vom hauntologisch aufgeladenen Sound des Albums, begibt sich dafür aber in die Nähe von Singer/Songwriterinnen wie Judee Sill, Joni Mitchell und anderen, die damals von David Geffen ausgesaugt wurden. Dazu vermengt sich noch psychedelischer New Age a la Linda Perhacs. Doch nichts bei Jenny Hval kommt ohne große Brüche aus. Ein eintöniges Werk wird man wohl in den nächsten Jahren nicht erwarten dürfen. Während der Opener »Spells« noch als veritable Pop-Nummer gelten darf, zerberstet die EP im Mittelteil in verschiedene, kleine Soundsphären. Die gerade noch eingeführten Bläser, Streicher und Harfen werden von dronigen Orgelsounds übermannt. Die Stimme wird vom zärtlichen Mezzo-Sopran wieder Richtung »whispered word«-Performance verschoben; alles künstlich aufgeladen. Doch was man als Kritik lesen könnte, ist viel mehr das Einlösen des eigenen Künstlerinnen-Mythos. Wenn man eine Jenny Hval-Platte kauft, dann muss man damit rechnen. »It’s not in the words, it’s not in the rhythm«. Ja, es ist irgendwo dazwischen, was auch diese EP dann doch hörenswert und magisch macht. Eine 23-minütige Hypnose.


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