Högni

Two Trains

Erased Tapes • 2017

»Two Trains« ist ein Konzeptalbum über zwei Züge. Ja, richtig: Hier wird dem metallischen Symbol der Industrialisierung gehuldigt. Genauer: Den einzigen beiden Eisenbahnen, die jemals isländischen Boden befuhren, Minør und Pionér. Sie wurden beim Bau des Hafens von Reykjavík 1913 bis 1917 eingesetzt und seitdem keinen Meter mehr bewegt. Zeit und Gegenstand wecken Assoziationen: Dampfkraft, Aufbruch, Arbeiterchöre, die die revolutionäre Qualität von Dampfkraft und Aufbruch hervorheben. Högni Egilsson, Sänger der Band Hjaltalín und noch-oder-schon-nicht-mehr-Mitglied der stilprägenden Gruppe GusGus, hatte wohl ähnliche Assoziationen. Jedenfalls ist sein Debütalbum durchzogen von erhabenen Männerchören, von verfremdeten, klimpernden bis hämmernden Sounds, die sich an der frühen europäischen Avantgarde orientieren und die blubbrig-weichen Songs zerhacken und manipuliueren. Die bestünden sonst nämlich nur aus Högnis sanfter Stimme. Und einigen singenden, sägenden Synthesizern. Was an sich nett, aber irgendwie fad wäre. Kontrastiert mit dem industriellen Thema und seiner musikalischen Umsetzung wird es aber interessant: Romantische Schwermut angesichts des Vergangenen und die feierliche Erwartung des Neuen vermischen sich. Wenn da im Schlussstück »Enn Næða Orð« noch ein letztes Mal der Chor aufbraust, kann man sich dem aufkommenden Sehnsuchtsgefühl kaum erwehren. Müsste man dieses benennen, so hieße es ganz klar: Eisenbahnromantik.

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Högni
Two Trains
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