Exael

Collex

West Mineral • 2018

Wenn Huerco S. dieser Tage nicht über Ambient als soziale und anti-kapitalistische Praxis rage-twittert, dann veröffentlicht er Musik und zwar nicht wenig. Neben einem gemeinsamen Mix mit Anthony Naples, seinem EP-Debüt unter dem Pseudonym Loidis und einem Album als Pendant liefert das ehemalige Outsider House-Sternchen als Betreiber von West Mineral Ltd. in letzter Zeit solide ab. Der jüngste Roster-Neuzugang ist mit Exael ein Projekt, das sich weitgehend in Anonymität hüllt: Bekannt ist lediglich ein früherer Moniker (Naemi), ein Aufenthaltsort (Berlin) und was das zweite Album kann (einiges). »Collex« widmet sich weniger dem Tape-saturierten Oberflächenfetischismus eines Huerco S. denn vielmehr glattpolierten und doch disharmonischen Flächen, die viel Blubbern, Knistern, Rascheln und Fiepsen auf sich laden. Im besten Fall klingt das wie der Mark Fell-Remix eines Kara-Lis Coverdale-Stücks oder ein nachgetragenes digitales GRM-Update der Mille Plateaux-Ästhetik, überwiegend aber wunderbar hintergründig. Das dem Album mitgegebene Gedicht bedient sich in seiner Bildsprache nicht von ungefähr der Malerei: Hier wird auf acht Stücken mit mal fettem, mal zartem Duktus in den Raum gepinselt, getupft und nicht selten mal gejacksonpollockt. Das lässt sich gleichermaßen als auditives Sedativ auf die Raufasertapete projizieren, wie es bei näherem Hinschauen viele Details offenbart. Ambient im besten, Eno-schen Sinne also: »Collex« lässt sich bequem ignorieren und ist dennoch spannend.

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Exael
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