Delroy Edwards

Aftershock

L.I.E.S. • 2018

Ein Jahr ist vergangen, seit Delroy Edwards mit »Hangin At The Beach« dem rohen analogen House und Ghetto-Tech den Rücken kehrte, der ihn zu L.I.E.S. Zeiten groß gemacht hatte. Stattdessen setze er sich in skizzenhafter Manier mit Synth-Pop und Electro auseinander und fand sich irgendwo zwischen Ariel Pink und verschrobenen Soundtrack-Allüren wieder. Bereits auf seinen »Slowed Down Funk Tapes« klang das so, als müsste Edwards in dogmatischer Akribie all die flüchtigen Ideen in einem Affentempo zu Papier bringen, da sonst sein Kopf zu explodieren drohe. So fühlten sich seine bisherigen Alben wie spontane Schübe kreativer Energie an. Zuletzt war es wohl wieder soweit, erschien mit »Rio Grande« doch erst kürzlich ein neuer Langspieler auf seinem eigenen Label L.A. Club Resource. Ist »Aftershock« das Nachbeben dieser Sturm-und-Drang-Phase? Unabhängig davon scheint es gerade sowieso en vogue zu sein, zwei Alben zur selben Zeit zu veröffentlichen (siehe Traumprinz).

Auf »Aftershock« bewegt sich Delroy Edwards zumindest ein Stück weit zurück zu seinen frühen Arbeiten auf L.I.E.S. Anknüpfend an den Chicago-House von Duane Thamm Jr. oder Jesse Velez übersetzt er den Sound im Rahmen seines Lo-Fi-Trademarks trocken, rotzig und ungeniert kompromisslos. Ein Tribut an jene Wildwest-Mentalität, in der im House alles möglich schien. Die Tracks sind vor allem eines: DJ-Tools für den Clubgebrauch. Roh, perkussiv, loopy, durchgängig über 3 Minuten (!) und dabei melodisch teils erstaunlich eingängig. Ästhetisch klingt das wie das x-fach kopierte Bootleg einer lange verschollenen Privatpressung, für die er bereits zu Jugendzeiten ein Faible entwickelte, als er sich durch die US-Rap und Dancehall Sammlung seiner Mutter wühlte. Ist das nun authentisch oder aufgesetzt? Zumindest ist »Aftershock« das für Delroy Edwards typische Understatement. Er steckt für die Plattentasche bewusst zurück. Seine Tracks biedern sich nicht an, sondern dienen dem Layering in DJ-Sets, innerhalb derer das Original teils nur noch zu erahnen ist.


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