Brainwaltzera

Itsame

Film • 2022

Es gibt sie noch, die anonymen Künstler. Bei Brainwaltzera seit 2016 aktenkundig als Musiker, gelingt der Auftritt als unbekannter Lieferant elektronischer Schrulligkeiten jedenfalls bis auf Weiteres. Das mit den Schrulligkeiten verleitet andererseits gern dazu, hinter dem Projekt, das mit »Itsame« sein zweites Album vorgelegt hat, ein weiteres Alias des für seine krautig-verflochtenen tönenden Sonderbarkeiten geschätzten britischen Musikers Richard D. James, weithin bekannt als Aphex Twin, zu vermuten. Kann sein, könnte aber ebenso gut jemand mit großer Vorliebe für das Warp-Aushängeschild James und seelenverwandte Schrauber wie das schottische Brüderduo Boards of Canada sein. Um die Vergleiche kommt man auch diesmal nicht herum, ist Brainwaltzera großenteils selbst schuld dran. Denn viele der 17 Nummern, in denen er oder sie sich auf 75 Minuten Länge ausbreitet, klingen ziemlich ähnlich wie – siehe oben. Was gar nichts Schlechtes ist, schließlich ist Brainwaltzera keine reine Kopie dieser mutmaßlichen Vorbilder, sondern kriegt oft genug einen ganz eigenen Dreh in die Sache. Oder überrascht mit einer stilistischen Volte wie »Prove Ur Not a Robot [Skip]«, das aus leicht verzerrten Gitarrenloops besteht. Schlaumeier könnten da „Siehste, Seefeel!“ rufen, um den Epigonen-Vorwurf zu erhärten, doch wie es in Paolo Sorrentinos Serie »The New Pope« heißt: »When you don’t have proof, you don’t have proof«. Im Übrigen macht Brainwaltzera seine beziehungsweise ihre Sache sehr einnehmend. Identität wird ohnehin überschätzt.

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