Review

Arca

Xen

Mute • 2014

Man kann nicht so tun, als hätte man nicht hingeguckt. Arcas Musik ist verbunden mit den Visuals, die Jesse Kanda, Arcas Mitbewohner in Dalston, London, den Songs zur Seite stellt. In den Videos tanzen z.B. Mutanten-Babys, oder es twerkt eine Wasserleiche vor schwarzem Hintergrund, wie im Video zur Vorabsingle zu »Xen«. Man kann nicht anders, als die Musik mit den Bildern zu vereinbaren; kann sie nicht ohne die Bilder im Kopf zu haben bewerten. Aber man nimmt die Songs deshalb nicht verfälscht wahr. Den Bilder und Musik eint die gleiche Ästhetik: es ist eine verzerrte Vision des Schönen, der perverse Bruder einer virtuosen Gestalt. »Xen« ist Arcas Debütalbum. Es hat ein schiefes Gebiss im überschminkten Gesicht, hinkt an einem Bein, es ist eine gefallene Diva im schalen Rampenlicht, das Voyeure auf sie werfen. Man wühlt sich durch den Ekel, schiebt die fauligen Schichten weg, einfach weil man weiß, dass etwas Strahlendes unter dieser Dunkelheit liegt. Die Synths sind immer eine Spur zu grell, die Drums stören und rauschen, immer winkt dich ein ekliger Finger in den Bunker und du kannst trotzdem nicht anders als zu folgen. Und wenn man erstmal drin ist, dann erst kann man begreifen, dass sich »Xen«, dieses vielbeinige Etwas, doch nach einer Logik bewegt. Arca komponiert seine Songs. Es hat etwas von klassischer Musik, wie die verschiedenen ›Instrumente‹ scheinbar unkontrolliert aus verschiedenen Richtungen aufeinander zu schwappen, überlappen, dabei kurz nichts als Gestrüpp zu sein scheinen, zackig und nicht zu durchbrechen, bis aus ihrer erschlagendenden Fülle doch eine begeisternde Kraft strömt. Ein außerordentliches Album.

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